"Rude Liss" He könnde Pättche on Jött wearde! Verzällche övver et Roisdebe Platt

Allerhands Spröchelche 

Ahl Leedche

Luert och ens bei denne!

 
Dörpelsick
Dat semme!
E-Poss
Saat os ens de Daachszick!
 Cala Millor

 

 

 

Luert och ens op de Websick von de

Heimatfreunde Roisdorf e.V.

 

 

Ahl Leedche

 

Drei Mailieder aus dem Vorgebirge wurden im Jahre 1847 von einem Kölner Lehrer H. Wacker aufgezeichnet, der zufällig Zeuge einer Maifeier in Hemmerich wurde. Er brachte sie in den 3. Band von "Germaniens Völkerstimmen" ein, einer "Sammlung der deutschen Mundarten, in Dichtungen, Sagen, Mährchen, Volksliedern u.s.w.", herausgegeben von Johannes Matthias Firmenich, Berlin 1854, S. 519-521.

Auch wenn Lehrer Wacker offenbar des Vorgebirgsplatts nicht mächtig war und er daher einiges wohl nicht korrekt wiedergegeben hat, vielleicht auch, wie er selbst vermutet, in den einzelnen Liedern auch Strophen vergessen wurden oder aus anderen Liedern Strophen in sie hineingewandert sind, so bilden die Mailieder doch ein schönes und wertvolles Zeugnis für die Mundart und das Brauchtum unserer Vorfahren vor mehr als 150 Jahren. Das Lied "Der Mai, der Mai, der lustige Mai" ist später in der von Karl Simrock in Hochdeutsche übertragenen Version zum Bestandteil des allgemeinen deutschen Liedguts geworden. Hierzu Näheres auch auf der Seite http://www.heimatfreunde-roisdorf.de/mai.html.

Die drei Mailieder seien hier in der Schreibweise Wackers und mit dessen Anmerkungen und Erläuterungen versehen wiedergegeben:

Mailieder*
(In den Dörfern am Vorgebirge zwischen Köln und Bonn an den Maisonntagen von den Jungfrauen zum Reigen gesungen.)

 

Der Mai, der Mai, der lustige Mai.

Der Mai, der Mai, der lustige Mai,
Er kummt daher geruschen.
Ech brach mir ‘ne Mai
[1]
Un ging mit ‘nem Schwert
Durch einen Beusch,
[2] war grone.

Ech ging vor Herzliebst Fenster stonn[3]
Un sprach mit falscher Zunge:
“Herzlieb, stand op
[4]
Un lass mich herein!
Ech bring’ dir ‘ne Mai mit ‘ner Rose.
[5]

„„Ech stonn[6] nit op, ech lass dich nit herein,
Wohl um den Mai zu pflanzen.
Mein Bett steht fest,
Es trägt ‘ne schwere Last,
Das thut sich
[7] der Mai, der bose.

Steh’ und setz’ ihn auf die weite, breite Straße,
Damit er nich befriere:
Der Mai’sch koole
[8] Dau
Der is sich also kalt, -
Seine Kraft möchte’ er verlieren.““

Zu Hemm’rich steht ein wohlgebautes Haus,
Dat es gedeckt met Leien,
[9]
Da kummt mein Lieb
Alle Sonndas heraus,
Bronenge
[10] seind sein’ Kleider.

Seind sie dann bronenge nich,
So seind sie roth scharlaken;
Un wewr ein schoon
[11]
Herzliebchen hat,
Der kann es
[12] wohl heimlich lachen.

Der Mönch sprang an dem Fenster heraus,
Die Kapp’ ließ er drin hängen:
Do hängst du Kapp’,
Du Deuvelslapp,
Ech trauen Dir ‘ne schöne Jungfrau an.

Uns stirf de Bruck[13] von Traurigkeit,
Wo soll man sie begraben?
Wohl unter den Rosen,
Kartümmelige
[14] Baum,
Das Grab soll Rosen dragen.

Un dräg et dann kein’ Rosen roth,
So dräg et Mant’lekärne;
Un wer ein schoon
Herzliebchen hat,
Der hat’s von Herzen gerne.

------------------------------------------------------------------------

Ech plott mir drei Rosen

Ech plott[15] mir drei Rosen,
Ech mäd
[16] mer eine’[17] Kranz,
Den droog ech no Hemmerich,
No Hemm’rich op den Danz.
Den schenken
[18] ech meinem Herzliebchen.“

„Da, du Herzliebchen
Da hast du eine’ Kranz,
Un kummen
[19] ech dit Johr,
Dit Johr nit an den Danz,
Ein Hündchen will ich werden.“

„„Wärst du ein Hündchen
Dat wäre mir ja leid,
So wollt’ ech dech führe,
Ja führe weit un breit,
Gott weiß, wo ech dech führe.

Gott weiß, wo ech
Dech führe sall,
ech weiß dir kein Haus,
Kein Haus un och
[20] kein Stall
Nicks mehr als ein Ling,
[21] steht grone.[22]““

De Ling steht grone,
Die Loven
[23] waren breit,
Da lagen die Zwei,
Die zwei im Bett gespreit’T
Von Sammt un och von Seide.

Da lagen die Zwei
Die liebe lange Naach,
[24]
Bis dass sich der helle,
Der helle Tag anbrach.
Die Sonne scheint über gron Linden.

„Herzlieb, stand[25] op,
Es is schon Daag,
Jetz has du geschlafen“ –
““Geschlaf’n? ech han
[26] gewaach,
Ein Jungfrau will ech bleiben.““

„Wills d’en Jungfrau bleiben,
Da sage mir fürwahr,
So setze dir ein Kränselein;
Ein Kräns’lein op dein Haar,
Wie and’re schöne Jungfrauen.“

---------------------------------------------------------------------------

Ach Aeppelche op dem Bäumchen.

„Ach Äppelche op dem Bäumchen,
Wat Goot’s bestellen ech dir:
Du salls net ierter
[27] falle,
Mein Lieb, dat kummt zu mir.“

Dat Äppelche is gefalle,
Et hat en Würmchen in.
Es is kein Knabe so kleine,
Er führt ‘ne falsche Sinn.

‘Ne falsche Sinn un ‘ne stolze Muth,
Den führen se allezeit;
Wenn s d’ Mädchen können bedriegen,
Dat is ihrem Herzen en Freud.

Wenn sie se dann bedrogen han,’
Kick
[28] da! wat häß de dann?
So welle mer
[29] s’ lasse laufe
Verschließe
[30] ihr Hosen[31] on Schoh’.

Wenn sie se dann verschlesse han,
Dann sin de ming
[32] noch ganz,
Dann well ech de ming verschließe
Zo Hemmerich an dem Danz.

Zo Hemmerich onger[33] gron Linden,
Do geht der schnelle Danz.
Do geht dat wacker Mädchen
Dem Jüngling an de Hand.

Wat schenke mer[34] de Hemm’richer Mände?[35]
Glöck on nit zo vill.
Se gonnt
[36] nit ierter us dem Wiertshus,
De Kann’ moß leddig sin.

Wat schenke mer de Hemm’richer Wiever?
Glöck on Alles genog,
Alle Johrich
[37] ‘n kleen Kenkche[38] en de Weege,
On alle Ovends ‘ne bedronkene Mann.

Wat schenke mer de Hemm’richer Jonge?
Glöck on nit zo vill.
Se gonnt nit ierter schlofe,
Se gonnt vür ‘n Schluutfinster
[39] stonn.

Wat schenke mer de Hemm’richer Mädche?
Glöck on Alles genog.
Se gonnt nit ierter schlofe,
Se krämpen ihr Schluutfinster zo.

* Aufgezeichnet aus dem Munde des Volkes von H. Wacker, Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Köln. Derselbe bemerkt zu den Liedern: „Im Jahre 1847 wurde ich in dem Dorfe Hemmerich an einem Maisonntag angenehm überrascht, als ich auf einem freien Platze die Mädchen des Dorfes um einen frischbelaubten Mai-(Buchen-)Busch, den Eine in der Mitte hielt, einen Kreis schließen sah, und, indem sie mit aneinandergeschlossenen Händen im Kreise herumgingen, eine Reihe von Liedern absingen hörte, die ganz den Charakter der alten gemüthvollen Volksweisen trugen. Ich beschloss sogleich, die Lieder für die „Völkerstimmen“ zu sammeln, aber das hatte seine großen Schwierigkeiten. Die Mädchen, an die ich mich wandte, erklärten scheu und verlegen, dass sie nicht alle Verse wüssten. Die älteren Frauen, denen ich eine genauere Kenntnis dieser Lieder zutraute, machten auch Umstände. Entlich half mir die beherztere Wirthstochter heraus. Sie lud eines Sonntags ihre Freundinnen zu sich ein; sie sangen mir die Lieder vor und sich gegenseitig ergänzend und berichtigend, brachten sie mehrer derselben so gut wie möglich zu Stande. Auf diese Weise habe ich von den sechs Mailiedern, womit der Mai begrüßt zu werden pflegt, drei niederzuschreiben vermocht. Gedankensprünge sind zwar der Volksweise eigen, aber namentlich in dem ersten Mailiede finden sich solche Lücken, das man dasselbe unmöglich für vollständig halten kann. Augenscheinlich sind Strophen, wie die 7te: „Der Mönch u. s. w.“ entweder später eingelegt, oder dieselben sind aus Liedern ältern Ursprungs. Letzteres ist wohl das Wahrscheinlichste. Was nun die Mundart anbetrifft, so ist zu bemerken, dass die hochdeutsche Sprache sich in diese Volkslieder bedeutend hineingemischt hat und von denselben nicht mehr abzusondern ist. Ich habe die Lieder ganz treu aus dem Munde der Mädchen aufgezeichnet. Übrigens möchten diese Lieder auch ursprünglich hochdeutsche Volkslieder sein. u. s. w.“
[1] Buchenzweig, Buchenbusch und dergl. mit frischen jungen Blättern.
[2] Busch, Wald.
[3] stehen.
[4] steh auf.
[5] bezieht sich auf den früheren Gebrauch der Burschen, an des Liebchens Haus (auch Dach) im Mai einen Maibusch zu befestigen.
[6] stehe.
[7] Flickwort, auch zur Verstärkung.
[8] kühle.
[9] Schiefern.
[10] braun, bräunlich
[11] schönes.
[12] dessen.
[13] Braut.
[14] Kartümmelchen heiß eine Art kleiner Aprikosen, welche am Vorgebirge zwischen Köln und Bonn häufig in den freiliegenden Obstgärten gezogen werden.
[15] pflückte
[16] machte.
[17] einen.
[18] schenke.
[19] komme.
[20] auch.
[21] Linde.
[22] grün.
[23] Laub, Blätter; in Bayern sagt man auch die „Lauber“ (Laba) für: die „Blätter“; engl. leaf, leaves.
[24] Nacht.
[25] stehe.
[26] habe.
[27] eher.
[28] schau, guck.
[29] wie.
[30] verschleißen.
[31] Stümpfe.
[32] die meinigen.
[33] unter.
[34] schenken wir.
[35] Männern.
[36] gehen.
[37] Jahre.
[38] Kindchen.
[39] Schließfenster, Fensterladen.

------------------------------------------------------------------------

Eine schöne rheinische Sitte sind die Rundgesänge, die bei keiner traditionellen Feier in froher Runde fehlen dürfen. Deren bekanntester ist wohl "Osse Nobesch Pitte" von dem gewiss von Ort zu Ort unterschiedliche Versionen existieren. Hier eine auch in Roisdorf gesungene:

Osse Nobesch Pitte ...

Osse Nobesch Pitte wollt ene Reiter wearde
hatte keene Schimmel, konnte keene wearde.
Do nohm die Mamm de Hippebock,
satz der Pitte ovvendrop.

Hippebock - Pitte drop,
Ärmendei - Beddelei.

War das nicht ne schöne Reiterei,
ja das war ne schöne Reiterei. 

Osse Nobesch Pitte wollt ene Reiter wearde
hatte keene Saadel, konnte keene wearde.
Do nohm die Mamm et Kappesblatt,
däht dem Pitte unger de Fott.

Kappesblatt - unger de Fott,
Hippebock - Pitte drop,
Ärmendei - Beddelei.

War das nicht ...

Osse Nobesch Pitte wollt ene Reiter wearde
hatte keene Hellem, konnte keene wearde.
Do nohm die Mamm de Kammepott,
däht dem Pitte op der Kopp.

Kammerpott - op der Kopp,
Kappesblatt - unger de Fott,
Hippebock - Pitte drop,
Ärmendei - Beddelei.

War das nicht ... 

Osse Nobesch Pitte wollt ene Reiter wearde
hatte keene Zabel, konnte keene wearde.
Do nohm die Mamm die Ovvenspief,
bong dem Pitte öm der Lief.

Ovvenspief - öm der Lief,
Kammerpott - op der Kopp,
Kappesblatt - unger de Fott,
Hippebock - Pitte drop,
Ärmendei - Beddelei.

War das nicht ...

Osse Nobesch Pitte wollt ene Reiter wearde
hatte keene Harnisch, konnte keene wearde.
Do nohm die Mamm die Jaadedüür,
hong dem Pitte hinge on vüür.

Jaadedüür - hinge on vüür,
Ovvenspief - öm der Lief,
Kammerpott - op der Kopp,
Kappesblatt - unger de Fott,
Hippebock - Pitte drop,
Ärmendei - Beddelei.

War das nicht ...

Osse Nobesch Pitte wollt ene Reiter wearde
hatte keene Schnäuzer, konnte keene wearde.
Do nohm die Mamm de Stetz vom Haas,
bong dem Pitte unge de Naas.
Stetz vom Haas - unge de Naas,

Jaadedüür - hinge on vüür,
Ovvenspief - öm der Lief,
Kammerpott - op der Kopp,
Kappesblatt - unger de Fott,
Hippebock - Pitte drop,
Ärmendei - Beddelei.

War das nicht ...

Osse Nobesch Pitte wollt ene Reiter wearde
hatte nix zom Scheeße, konnte keene wearde.
Do nohm die Mamm de Bessemstell,
de Pitte säht, jetz ös et jet vell.
Bessemstell - ös jet vell,
Stetz vom Haas - unge de Naas,
Jaadedüür - hinge on vüür,
Ovvenspief - öm der Lief,
Kammerpott - op der Kopp,
Kappesblatt - unger de Fott,
Hippebock - Pitte drop,
Ärmendei - Beddelei.

War das nicht ne schöne Reiterei,
ja das war ne schöne Reiterei …

 

Wer kennt weitere Lieder auf Platt?

Wir würden uns über die Zusendung sehr freuen
und die Lieder hier veröffentlichen!