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Verzällche övve et Roisdebe Platt
von Heinz Dahlen
All die schön Usdröck sterven us
von en 70jöhrige Sprachstudentin
Verzällche
övve et Roisdebe Platt
von
Heinz Dahlen
Weil echte Dialekte immer nur gesprochen wurden,
hat unser Alphabet für viele Dialektlaute gar keine passenden
Buchstaben. Eigentlich ist auch der Begriff
„Schriftsprache“ für das Hochdeutsche, das wohl ursprünglich
aus einem Dialekt als sächsische Amtssprache entstanden ist,
unlogisch. Denn entweder drückt man sich durch „Sprechen“
oder durch „Schreiben“ aus.
Da ich nur über unseren Dialekt, also das
„Platt“ aus dem eigenem Umfeld erzählen möchte, werde
ich mich auch nicht über wissenschaftlichen Grundlagen der
Sprache und Mundarten (wie: Lautverschiebungen, Benrather
Linie usw.) auslassen. Nur soviel: Unser Platt gehört zum
„westmitteldeutschen und mittel-fränkischen“ und hat
seinen Ursprung in der Sprache der fränkischen Ripuarier;
einem Stamm der auch unsere Region bevölkert hat.
Wer örtliche Dialekte noch richtig beherrscht,
dem fallen kleinere oder größere Unterschiede beim
Platt der näheren Region auf. Deutlicher wird dies noch beim
„Kölsch“ als Mundart der Städter und - weniger ausgeprägt
- auch beim „Bönnsch“. Das hat sich allerdings in den
letzten Jahrzehnten auch immer mehr verwischt, seitdem
die Mundart nicht mehr die Bedeutung wie früher hat.
Es werden noch Ausdrücke vorkommen, die bei
einigen immer noch zur Umgangssprache gehören, aber auch
solche, die heute nicht mehr so üblich oder sogar fremd
geworden sind. Es macht sicher Sinn, auch solche Worte
festzuhalten, ohne aber daraus ein „Museum König“ für
nicht mehr „lebendige Ausdrücke“ zu machen. Denn da sich
lebende Sprachen fortentwickeln, ist es ganz normal, dass
Begriffe verschwinden, wenn es die Gegenstände oder die Tätigkeiten,
die sie beschreiben, nicht mehr gibt. Ein Problem besteht
allerdings darin, dass fast gar keine neuen Dialektwortschöpfungen
mehr für unsere geänderte Umwelt entstehen, solange der
Dialekt auf dem Rückzug ist. Aber vielleicht gibt es auch
hier noch einmal eine Trendwende.
Als noch in jedem Ort neben dem Pastor noch „de
Kapelon“, also ein Kaplan, seinen Dienst tat, war dies in
Alfter „de Vikarjes“ im Vikariat; ein Begriff der hier
nicht geläufig war. Obwohl auch Roisdorf landwirtschaftlich
geprägt war, galt das „Walberberger Platt“ als ein
„wenig gewöhnlich“, weil es breiter ausgesprochen wurde
und Laute enthält, die wir – auch wie das rollende „R“
der Alfterer - gar nicht korrekt nachbilden können: „Krich
ens Leufel und Jaéfel us de Keés, et kütt Besuch de Jaés
eraff“ (Hole Löffel und Gabel aus dem Besteck-Kasten. Es
kommt Besuch die Gasse herunter).
Das „Platt“ als Sprache des täglichen
Umganges hat für viele Tätigkeiten und Gegenstände oft mehr
und differenziertere Ausdrücke als das Hochdeutsche. Da der
Dialekt aber vom Sprechen lebt, wollen wir einfach einem
Ehepaar beim Sonntagsfrühstück zuhören.
Et Trina öss „net jood jefusselt“ (Katharina
ist schlecht gelaunt), weil ihr Mann, „de Schäng“, erst
sehr spät vom Samstagsabendskat heimgekommen und noch
verkatert ist. Et trick en Flapp un schänk: „Wenn et öm
mich jeht, böss de ze kiepich, für ne Jrosche uszejevve. Nur
für et Kaate un et ze Suffe“öss de kene Mark ze schad. Su
wie du diss Nach hemkomme böss, moss de jo wedde jood knöll
jewess senn. Möt dinge Ketsch em Kopp und dinge dreckige
Klamotte häss de och bestimb en de Sod jeläge.“
Alles in allem: „et Trina wor richtich en Brass
komme“ (sie war in Fahrt gekommenen).Der Johannes hat trotz
seines Katers Trinas schiefen Mund (et trick en Flapp) bemerkt
und auch, dass sie schimpft (schänk) und ihm vorwirft,
knauserig (kiepich) zu sein, wenn es darum geht, Geld für sie
auszugeben. Aber es sei ihm keine Mark zu schade, wenn es um
Kartenspielen (Kaate) und Trinken (Suffe) ginge. Dann soll er
stark betrunken (jood knöll) nach Hause gekommen sein mit
einer Kerbe (Ketsch) am Kopf. Das Wort Ketsch bezeichnet
auch noch die Kerngehäuse vom Obst. „En Appel-ketsch“ ist
das Kerngehäuse des Apfels. Interessant ist in diesem
Zusammenhang der auf einen Aberglauben zurückgehende Spruch:
„Wer Adam un Eva ne Appel iss, däm bliev de Ketsch im Stroß
steche“. Gemeint ist damit, dass demjenigen, der an Adam und
Eva (24.12.) einen Apfel isst, das Kerngehäuse (die Ketsch)
im Schlund (Stroß) stecken bleibe.
Aber zurück zum Schäng. Da seine Kleider
schmutzig waren, habe der bestimmt wieder in der Gosse (Sod)
gelegen. Da Schäng „kene Kadangs“ (keine Angst) vor
seiner Frau hatte, fing er bei dem Wort „Sod“ an „ze
jriemele“ (verstohlen lachen) und hörte nicht mehr weiter
zu, weil ihm dabei wieder die kleine Episode vom „Palms
Mattes“ einfiel. Mattes hatte eine Metzgerei Ecke Bonner
Straße/ Aachener Straße. Als die meisten Autos schon den
auch heute noch bekannten Blinker hatten, fuhr Mattes noch ein
Modell, bei dem beim Betätigen der Richtungsanzeige ein
Winker aus dem Türholm hochklappte. Als er von Bonn kommend
in die Aachener Straße (damals hieß sie noch Mittelstraße)
einbiegen wollte, hatte ihn ein Fahrzeug, welches noch überholen
wollte, gerammt. Mattes stieg aus: „Fräulein, hann se ken
Oge im Kopp?“ (haben sie keine Augen im Kopf), worauf diese
antwortete „Sie hatten ja überhaupt keinen Blinker an“.
Mattes war erregt und stotterte leicht: “Hun, hun, do litt e
doch en de Sod“.
Dem interessierten Zuhörer wird noch auffallen,
dass der Dialekt auch Begriffe „in den Mund nimmt“, die in
der sogenannten Hochsprache als unfein oder sogar als unanständig
gelten. Allerdings gibt es auch im Dialekt Ausdrücke, die -
je nachdem in welchem Zusammenhang sie gebraucht werden - als
vulgär, sehr derb aber auch als normal oder sogar als
Koseform aufgenommen werden. Sowohl Sprecher als auch Zuhörer,
denen Platt geläufig ist, nehmen diese feinen Unterscheide
wahr.
Ich will versuchen, an Beispielen, einige Nuancen
aufzuzeigen. Jemand, der nur hochdeutsch spricht, wird
vielleicht dennoch bei einem Ausdruck die Nase rümpfen, der
im Dialekt bereits als völlig normal empfunden wird.
Das, was unser Körper vom Essen und Trinken nicht
verwerten kann und dann damit macht, wird im Hochdeutschen
teilweise sehr geziert oder sogar mit lateinischen Ausdrücken
aus der Medizin umschrieben.
Wenn jemandem nach dem Essen von Hülsenfrüchten
die Bauchgase entfleuchen, bleibt das für die Nachbarn
manchmal hör- oder sogar riechbar. Ist der Verursacher
schlagfertig, wird er auf eine entsprechende Bemerkung
vielleicht beschwichtigen: „Besse in der wigge Welt wie em
enge Buch“ (Besser in der weiten Welt wie im engen Bauch).
Über eine Person mit „Spronzele
(Sommersprossen) wird oft gesagt: „Däm hät ene Ässel
(Esel) en et Jesech (Gesicht) gefuzz“. Aber einen kleinen
Jungen wird man im Dialekt manchmal liebevoll als „kleene
Fuzzemann“ ansprechen. Wenn einem einer mit seiner
Wehleidigkeit auf den Geist geht, sagt man von dem: „Dä hät
wedde ne Fuzz quer lijje“. Und wenn er darüber hinaus noch
kleinlich ist heißt es: „Dä mäht us jedem Fuz ne
Donneschlach“ oder auch: „Dä öss ene richtije
Korintekakker“.
In manchen Orten wird ein die in der Karnevalszeit
beliebtes Gebäck auch „Nonnefüzje“ genannt, die auch ein
Pastor sehr schätzte. Deshalb schickte sing „Keuch“ (Köchin/Haushälterin)
mit einer entsprechender Bestellung in die Bäckerei. Sie
zierte sich jedoch und sagte: „Ich hätte gerne für den
Herrn Pastor 300 Gramm heilige Blähungen“.
Für das, was der Körper ausscheidet, gibt es natürlich
entsprechende Dialektausdrücke, auch solche, die in direkter
Form als derb gelten. So beispielsweise in der Redewendung,
die etwas relativieren soll: „Dröß bliev Dröß, och wenn
e vom Kaise öss“. Das Wort „Dreß“ ist in vielen
Redensarten geläufig, teilweise normale Umgangssprache oder
sogar wieder Kosewort geworden. Wenn das „e“ beim Sprechen
durch „ö“ ersetzt wird, klingt es ordinärer.
War das Essen miserabel, dann war „dat ene
Dressfraß“. Wird einem etwas schlechtes gewünscht, dann
soll „dä de Dreß krijje“ (einen Durchfall bekommen). Dem
Geizigen wird nachgesagt: „Dä friß singe ejene Dreß“.
Wenn uns etwas wenig kümmert, dann „jävve me do ne ahle
Dreß dröm“ . Und wenn wir etwas leichter nehmen wollen,
dann „bruche me oss övve sunne Dreß net obzeräje
(aufzuregen)“.
Wer ohne Schirm im Regen unterwegs war, kommt „dreßnaß
oder „secknaß“ wieder nach Hause. Bei Männern hat man
diese Ausdrücke als ganz normal empfunden, bei jungen Mädchen
oft weniger.
Wenn aber aus Kindern „klene Botzedresser“
jeworden sind, dann „senn de Pänz us em jrüzte Dreß erus“.
Aber zurück zu unserem „Schäng“, der auch
nicht auf den Mund gefallen ist. „Wenn ich ding kodde Schnüss
at hüre. De Kaffe höck Morje öss et reinste Spölwasse, do
schmeck jo bal Muckefuk noch besse. Dat Jebräu öss noch jrad
jot jenoch, für de Botteramm drenn ze zoppe.“
Auch „et Trina“ interpretiert diese Rede nicht
als Koseworte. An dieser Stelle könnte einem aufmerksamen Zuhörer
bereits aufgefallen sein, dass im Dialekt weibliche Vornamen
mit einem sächlichen Fürwort (et Trina = das Trina statt die
Trina) bezeichnet werden. Wer Platt als Muttersprache spricht,
der weiß natürlich, dass „ne kodde Fönge“ ein entzündeter
Finger ist. Der Ausdruck „kott“ hat aber noch eine Reihe
anderer Bedeutungen. So hatte „Schäng“ mit der „kodde
Schnüss“ „vom Trina“ natürlich deren bösartiges Maul
gemeint. Wenn er später die notwendigen Friedensverhandlungen
beginnt, wird er vielleicht fragen: „ Böss de me noch kott?“
statt provozierend zu sagen „Wä e kott Wiev jehierot
(Weib geheiratet) hät, dä hät de Düvel (Teufel) zum
Schwoge (Schwager)“.
Et Trina hat auch vernommen, dass ihr Kaffee wie
Spülwasser geschmeckt haben soll. Aber „Muckefuck“, also
Ersatzkaffee, ist ihr - seitdem „de schlächte Zigge vorbei
senn“ - nicht mehr ins Haus gekommen. Vermutlich weiß sie
aber nicht, dass der Begriff aus dem französischen kommen
soll, als dort während einer Blockade kein Bohnenkaffee
importiert werden konnte und deshalb „Mocca faux“, also
falscher Kaffee, getrunken werden musste. Vielleicht hat den
Rheinländern aber auch nur das Wortspiel gefallen. Natürlich
sah sie auch, wie „der Schäng“ sein Butterbrot in die
Tasse getunkt (Botteramm gezopp) hat.
Wie gesagt, um originelle Wortschöpfungen war der
Rheinländer nie verlegen. So hat der „Mömmes“ als
„getrockneter Nasenschleim“ in einem Radiovortrag des
Bonner Professor Lützler bereits in den 50er Jahren des
letzten Jahrhunderts einen überregionalen Bekanntheitsgrad
erlangt. Bei dem geläufigen Ausdruck denkt man kaum daran,
dass der Begriff sich von „einrollen, einmummeln“
ableitet. Der Begriff „Wölfje“ (von kleiner Wolf) hat übrigens
die gleiche Bedeutung. Von einem Geizhals wird gesagt, dass er
„ne Mömmeskäuer“ oder „ne Wölfjeskäuer“ ist
(den eigenen Mömmes kaut).
Manche Personen werden nicht immer mit ihrem
Familiennamen benannt. Soweit stattdessen Hausnamen gebraucht
werden, ist dies meist unproblematisch. Bei anderen
Bezeichnungen kommt es darauf an. Mit „Bömmel“ können
der Klöppel einer Glocke, eine Schlaufe, ein baumelnder
Zipfel, ein Troddel aber auch Personen bezeichnet werden. So
wird ein Mitglied der Kölner Musikgruppe „Die Bläckföß“
bei der Anrede „Bömmel“ nicht beleidigt sein. Anders bei
einer Familie in Roisdorf, deren Mitglieder „Bömmele“
genannt wurden. Als die jetzige Linie 18 noch Vorgebirgsbahn
hieß und zu den Stoßzeiten regelmäßig überfüllt war,
fuhr auch ein „Bömmel“ damit morgens zur Arbeit. Die Züge
waren noch nicht elektronisch gesteuert, deshalb wurden
„Stehplatzfahrgäste“ besonders zwischen Alfter und
Dransdorf oft heftig durcheinander geschüttelt. Ein Fahrgast
forderte deshalb von seinem Nachbarn, der immer auf ihn fiel,
„Halt dich doch an däm Bömmel faß“ (gemeint war die
Halteschlaufe), worauf es aus der Menge drohend kam: „Et
soll mich ens ene anpacke“.
„Tronskann“ wird eine langsame, etwas müde
Person genannt. Der Begriff ist vermutlich entstanden, als die
Lampen noch mit dickflüssigen Tran aus einer Kanne befüllt
wurden. Aber auch von einem, der seiner Sinne nicht mehr mächtig
ist, weil er beispielsweise betrunken ist, sagt man: „Dä öss
wedde em Tron“.
Der „Schäng“ kann von seiner „Trina“ nun
wahrlich nicht behaupten, „dat et en Tronskann öss“.
Nachdem inzwischen der Haussegen wieder gerade hängt,
ruft der Sohn an, weil dieser zu Besuch kommen will. „Ävve
die Pute bränk e doch och möt“ fragt „Schäng“. Zu
seiner Frau, die daraufhin sofort in der Küche verschwindet,
meint er: „Nu mach de net esu vell Brassel. Ne Bund häss
doch flöck gebake. Außerdem han me jo och noch jet Zopp do.
Wenn die dich ze vell öchels, siss nohe wie en Zoppjros us. Lur
mich an, ich bön jo och net iggelich, weil de Könke
komme“.
An der Stelle „öss ens wedde Zick für e Püsje“
(wieder Zeit für eine Pause). Hätte der „Schäng“ mit
„däm Trina“ hochdeutsch gesprochen, hätte sich das so
angehört: „Nun arbeite mal nicht so hektisch“ statt
„Mach de net esu vell Brassel“. „Öchel dich net esu“
oder „Mach de net esunne Öchel“ hat eine ähnliches
Bedeutung. Der „Bund“, der schnell (flöck) gebacken sei,
wird später erklärt. Im übrigen meinte der „Schäng“
von sich, dass man ihn anschauen (lure) soll, denn er sei überhaupt
nicht aufgeregt oder eilig (iggelich).
Für Kinder sind jetzt schon verschiedene
Dialektausdrücke: „Könke“, „Fuzzemann“, „Dreßfot“,
„Put“ (Mehrzahl „Pute“) vorgekommen. Man hätte aber
auch von „Quass“, (Mehrzahl „Quös“), „Panz“
(Mehrzahl „Pänz“, „Oos“, von „enem kleene Krott“,
„nem Schinoos“ und liebevoll „von enem kleene Schinösje“,
oder auch weniger gutmütig von „enem freche Balg“ oder
„freche Bloch“ und bei Jungen auch von „nem Fent
(Mehrzahl Fente) sprechen können.
Inzwischen hat sich bei unserem Ehepaar der Besuch
zum Nachmittagskaffee eingefunden. Da die Großeltern noch aus
einer Generation stammen, in der – nicht wie heute üblich
und sinnvoll jüngere Taupaten genommen werden – sondern
noch die Großeltern „Pättche“ (Pate) und „Jött“
(Patin) wurden, haben die Enkel auch deren Vornamen bekommen.
Allerdings zeigt sich auch da, wie flexibel unsere Sprache
ist. Aus dem „Trina“ wurde die Katrin und dem „Schäng“
(Johannes) der Jan.
Der „Schäng“ wollte von seinem Sohn gleich
wissen: „Wie wick set e dann möt ührem neue Jaade“?
„Och“ meinte dieser „Ich well jo net strongze. Nodem die
Kömpele affjedröch ware, hät et jod jerumb. Mir han Mahnde
voll Pröll fortjerumb. Do mot me janz schön jet en de Mau
han. Un watt menst de: En der höngechste Eck han me sojar
noch ne ahle Fuhrsteen fonge.“
An der Stelle musste der Opa seinen Enkeln aber
zuerst die bisherige Unterhaltung übersetzen. So habe er
gefragt, wie weit ihr Vater denn mit seinem neuen Garten sei.
Dieser habe ihm berichtet, dass er nicht prahlen (strongze)
wolle. Aber nachdem die Pfützen abgetrocknet (Kömpele
affjedrüch) waren, habe es gut geräumt (jod jerumb). Es
seien Körbe voll mit altem Gerümpel (Mahnde voll Pröll)
weggeschafft worden, wozu man ganz schön kräftig sein musste
(„jet en de Mau han“ = im Ärmel haben) und in der
hintersten Ecke des Garten habe er sogar noch einen alten
Grenzstein (Fuhrsteen) gefunden. Das Wort „Mahnd“
(Mehrzahl: Mahnde) interessierte die Kinder besonders. Deshalb
musste ihnen der Opa erklären, dass es sich bei einer „Mahnd“
um einen runden oder eckigen Korb aus geflochtenen Weiden-uten
handelt. Es sei meist in der Verkleinerungsform „Mängche“
als „Wäschemängche“ (Wäschekorb) oder „Obsmängche“
(Obstkorb) und noch für mit anderen Wortzusätzen für
vielseitige Einssatzzwecke bekannt gewesen.
Der Sohn konnte seinem Vater noch stolz weiter
berichten: „De neu jesatzte Krückele und Jannstruve senn at
am usschlage. De Päéche hat at Knöpp un de Impele at kleene
Blättche. Die Stockviule, die ich vörich Johr vürjetrocke
hann, senn at am blöhe und och de Langemalevje han de Fross
in voller Blöt övvestande. Och die Fletteplanze, die ich von
dir han, senn jot anjewahse. Nur möm Öllich sitt et mau us,
un et Ärbellelov öss noch ärch brong. Hoffentlich mäht me
nur de Mollterp ne zevell vekiehrt.“
Nachdem der Opa wieder als Dolmetscher fungiert
hatte, wussten die Enkel jetzt, dass die neugepflanzten
Stachelbeeren (Krükele) und Johannisbeeren (Jansdruve) schon
austreiben (usschlage), die Pfirsiche (Päéche) schon knospen
(Knöpp han) und sich bei den Himbeeren (Impele) schon kleine
Blättchen zeigen, der im Vorjahr vorgezogene Goldlack (Stockviule)
schon blühe und auch die Stiefmütterchen (Langemalevje) in
voller Blüte den Frost überstanden haben. Auch Opas
Nelkenpflanzen (Fletteplanze) seien angewachsen. Nur mit den
Zwiebeln sehe es schlecht (mau) aus, und das Erdbeerlaub (Ärbellelov)
sei noch arg braun (ärch brong). Ihr Vater hoffe nur, dass
ihm der Maulwurf (Mollterp) nicht zuviel verkehrt mache.
Die Kinder wunderten sich, welche ganz
unterschiedlichen Bedeutung das Wort „Mau“ hat. Deshalb
versprach der Opa, Ihnen nach dem Kaffee noch mehr über das
„Platt“ zu erzählen. Inzwischen hatte „et Trina“ den
Kaffee fertig. Es gab dazu leckeren „Bund“ und „Zopp“.
Jan und Katrin erfuhren dann, dass ein „Bund“ der runde
Kuchen vor ihnen sein. Dieser bestehe heute aus einem feinen
Teig mit Rosinen und Zitronat. Den Namen habe er von der
besonderen Kuchenform, die wie Kranz mit geschwungenen Rippen
(Türkenbund) aussehe. Bei dem „Zopp“ handelt es sich um
ein Hefeteiggebäck, welches wie ein Zopf geflochten wird.
Die Kinder lachten, als sie hörten, dass ihr Opa
heute Nachmittag ihre Oma schon „Zoppjros“, genannt hatte
und, dass man dies auch zu einem Mädchen sage, wenn es
unordentlich frisiert oder angezogen ist. Man hört manchmal
auch noch: „Du böss de reinste Zoppjros“, wenn Kinder ihr
Butterbrot oder den Kuchen in die Tasse „zoppen“ (tunken).
Die Herkunft der Begriffe erklärte er so: Früher gingen die
älteren Frauen nicht zum Frisör. Sie flochten vielmehr ihre
Haare zu einem Zopf, der dann meistens noch zu einem „Knutz“
oder „Knützje“ (Knoten) zusammengesteckt wurde. Da auch
die „dritten Zähne“ noch unbekannt waren und deshalb das
Kauen von fester Nahrung oft schwerfiel, wurde diese „gezopp“.
Zum dem lustigen Wort „Langemalevje“ musste
erklärt werden, dass in anderen Gegenden, so auch in Köln,
die Gänseblümchen (auch als Maßliebchen bekannt) so genannt
werden. Warum hier die Stiefmütterchen diesen Namen bekommen
hatten, wusste keiner.
Der Opa löste noch sein Versprechen ein und erzählte,
dass früher noch viele Dialektausdrücke aus der Zeit der
französischen Besatzung modern waren. Der Bahnsteig hieß
„Perron“, die Bahnschranken waren „de Bajere“ der
Schirm „ne Paraplü“, und zum Bürgersteig sage er auch
heute noch „Trottewar“. Das Wort „Paleto“ für Mantel
sei aber nicht mehr so geläufig.
Man schmunzelte, als er erzählte, wie ein Bonner
Karnevalist wegen der Zweiteilung durch die Bahn seine
Vaterstadt so beschrieben habe: „Entwede et rähnt (es
regnet) ode mir senn möd (sind müde) oder de Bajere senn zo“.
Ein Krätzjen (lustige, kurze Geschichte, früher
aber auch Stoffkopfbedeckung von Soldaten), das Professor Lützler
in dem Vortrag zur „Philosophie des Kölner Humors“ zum
Besten gab, benutzt auch noch solche Dialektausdrücke französischer
Herkunft. Und da die Enkel gerade mit der Oma den Kaffeetisch
abräumten, zitierte er: „Tünnes und Schäl waren auf dem
Heimweg, als das reichlich genossene Kölsch sie veranlasste,
das nächste „Pissewar“ (heute WC) aufzusuchen, das damals
für Männer oft aus einer Wellblechwand mit einer
Abflussrinne davor bestand. Der Schäl frug: Tünn, ich kann
dat net verstonn. Bei mir öss dat esu laut un bei dir hürt
me jarnix. Darauf der Tünnes: „Schäl dat öss doch
einfach. Du pinkels jenn et Wellblech un ich jän dinge Paleto“.
Da die Kinder den Namen „Tünnes“ noch
aufgeschnappt hatten, erklärte Ihnen der Großvater, dass die
Vornamen im Dialekt oft umgeformt werden. Für den Namen „Tünn,
Tünnes oder Toni“ gebe es sogar zwei Schutzheilige.
Diejenigen, die im Januar Namenstag feiern, berufen sich auf
„Ferkes Tünn“. Das war Antonius der Einsiedler, welcher
mit einem Schwein (Ferkel) dargestellt wird und Schutzpa-tron
der Bauern und Schweinehirten war. Der zweite Heilige mit dem
gleichen Namen war Antonius von Padua. Sein Namenstag wird im
Juni gefeiert. Zu ihm betet man, wenn etwas gesucht wird.
Die Kinder fanden auch lustig, dass es früher in
Endenich einen Pastor gab, der regelmäßig in Platt predigte,
wie sie es nur von der Mundartmesse vor Karneval kennen. An
Christi Himmelfahrt habe er seine Predigt so begonnen: „Osse
Herjott öss in der Himmel opjefahre, ävve net we en Mäusch,
sondern wie e Levvelingche“. (Unser Hergott ist in den
Himmel aufgefahren, aber nicht wie ein Spatz (Mäusch) sondern
wie eine Lerche (Levvelingche).
Sie erfuhren, dass man im Dialekt für
„weinen“ auch „kriche, knatsche, gringe und grauze“
sagt. Wenn etwas besonders weich ist, so ist das „mangs“,
z.B.: „mangs Ledde“ (weiches Leder), mangse Plätzje
(weiche Plätzchen). Wenn es aber in einem Haus unordentlich
zugeht, dann sagt man auch: „Do öss jet mangs“.
Soll jemand schnell machen, dann muß er „flöck
senn“ oder „jäng mache“; Entschuldigend heißt es
manchmal: „Dat öss flöck gesäht, ävve net flöck jedonn“.
(Das ist schnell gesagt, aber nicht schnell getan).
Für das Wort „höésch“ , was sinngemäß
„still, vorsichtig, leise“ bedeute, gebe es kein
hochdeutsches Wort mit genau der gleichen Bedeutung. Wenn ihr
nachher „mallig“ einen Euro von mir bekommt, dann heißt
das, jeder einzelne (mallig) bekommt etwas. „Dat moss ävve
net lutte“, also „nicht immer (lutte) so sein“ Ein oft
gebrauchtes Wort ist „ävve“, was soviel wie „aber“
heißt. Dagegen bedeutet „eve“ aber auch soviel wie „lutte“,
also „immer", auch im Gegensatz zu „döck"
"häufig".
Wenn Kinder fallen, dann „dirvelle se“ oder
„se han de Dirvel geschlage“, manchmal auch „höngerücks“
(hinterrücks, rückwärts). Das ist wieder so ein Wort mit
mehrfacher Bedeutung, weil auch „höngeröcks“ (hinten
herum) über einen etwas erzählt wird. Ein seltener
gebrauchter Ausdruck mit gleicher Bedeutung ist „höngewönks“.
Früher sprach man von seiner Wohnung oder seinem
Haus auch „vom Jehösch“; die kleinen Zimmer darin waren
„de Stüvvje“ oder noch kleiner „e Kabüffje“.
Als es noch keinen„Mac Donalds“ und auch
keinen Pizzadienst gab, wurde das vorgekochte Essen in einem
„Mitche“ (Behälter aus Aluminium oder emaillierten
Metall) mit zur Arbeit genommen.
Milch wurde nur lose verkauft und musste deshalb
in einer „Tööt“ (Kanne) geholt werden, die man zu Hause
im „Schaaf“ (Schrank) aufbewahrte. In einer Redewendung
heißt es „De öss de Tööt am schure“ (die Kanne
scheuern), wenn einer nichts tat oder Langeweile hatte.
Gekocht wurde in der Küche „om Komfürche“,
einen Herd, der mit Holz und Briketts beheizt wurde. Deshalb
war es dort meist „mollig wärm“ (angenehm warm). Und da
es in den meisten Häusern, wenn überhaupt, nur einen
Wasserhahn in der Küche gab, stand im Schlafzimmer neben der
„Kau“ (Bett) auf der Kommode „en Wäschlampett“. Das
war ein Krug mit Wasser und einer Schüssel, in der man sich
morgens wusch. Wenn wegen schlechten Wetters die Wäsche nicht
draußen aufgehängt werden konnte, kam sie „op de Löv“
(auf den Speicher) zum Trocknen. Dazu musste man natürlich
eine Treppe hoch, dessen Geländer „Tralleje“ also
Sprossen hatte.
Nachdem der Besuch weg war, verschwand der „Schäng“
in der Küche mit den Worten: „Jetz han ich noch Honge ob
jet Deftiges. Ich mache me noch e Röggelche möt Flöns“.
Womit er kund tat, dass er Hunger auf etwas Deftiges habe und
noch ein Roggenbrötchen mit Blutwurst essen werde.
Anmerkung zum Schluss:
Mit
großem Genuss lese immer wieder in dem dreibändigen Buch von
Prof. Dr. Adam Wrede „Neuer Kölnischer Wortschatz“. Das
umfangreiche Werk ist nicht ganz billig, bringt aber dafür
nicht nur die Übersetzungen und Herkunftsbezeichnung der
Worte, sondern in diesem Zusammenhang auch viele kurze
Abhandlungen über Kölner Straßen, Gebäude, Kirchen,
Vereine und Namen. Man findet auch viele bekannte oder weniger
geläufige Redewendungen. Bei intensiverem Studium fallen aber
auch die deutlichen Unterschiede zwischen unserem Platt und
dem Kölner Dialekt auf. So gibt es Worte, die jeweils nur in
einer Region bekannt oder gebräuchlich sind. Aber auch
abweichende Aussprachen und andere Vokale (z. B. fleute statt
flöte, bovven statt ovve“ (= oben), Trone statt Träne) führen
dazu, dass man nicht immer fündig wird oder unter anderen
Buchstaben suchen muß.
All die schön
Usdröck strerven us
Von en
70-jährige Sprachstudentin
Jetzt moß ech op
ming ahl Daach noch studiere
Un so richtig hochdeutsch liere.
Mech konnt bahl keene mie verstonn.
Nee, mir könnt de Loß verjonn.
All die schön Usdrück sterven us,
wo versteht me die dann noch, in welchem Hus?
Do könnt me jlatt de Placke enschlonn,
wenn se mech nirjens mie verstonn.
Lev Löck, denkt
doch ens 50 Johr zeröck.
Et Christine wor
et Sting,
et Kathrin wor et Tring,
de Heinrich wor de Dreckes,
de Ludwig wor de Weckes,
de Theo wor de Düres
on de Werner wor de Nieres.
Et Hüsje wor et
Jehösch,
für de Dür hing de Latösch,
am Hus hing de Kall
un en fein Madam droch en Krall.
De Fraulöck drochen domols en Taleje,
en de Trapp woren de Traleje.
De Männer hatten e Stiefje,
on de Pänz drochten e Lievje.
Hosse droch me
öm de Föß,
en enjebelte Ahl wor en Dös.
Fein Löck drochten ene Frack
un dreckelije Löck hatte Plack.
De Täsch wor en
Klabaß,
wor en Wot kom, kom en Braß,
vell Löck hatten Veh,
on en de Kösch e Kanapée.
Do stond och en Komvur,
we iwisch krank wor, kom net zu duur.
De Schrank wor et Schaaf
on für Spreu säte mir Kaaf.
Et Zemmer wor de
Stuv,
on hingedren wor de Alkuv.
E kleen Zemmer wor et Kabüffje,
e schläsch Frauminsch wo e Rüffje.
Am Ove wor de
Pief, kapott jingen Schief,
ne Penn us Holz wor ene Frengel,
mir hatte bei der Kning ne Remmel,
de Klede hatte e Schüßje
on en Speckjrev wor e Küßje.
En Milchkann wor
en Tööt,
e lies Frauminsch en Schrööt.
Dät me sich stitzele, mät me sich op de Mau,
wer em Bett loch, loch en de Kau.
Ne kleene Quaß
wor ene Krabbes,
ne jruße wor ene Labbes.
Ob de Schloot kom de Schleever,
wat us de Mul leev wor de Seever.
Wer Quatsch
verzappt – quatsch Keu,
wer sich jöcke dät, dä hatt Kreu,
e Reßje wor e Stömpche,
e billig Kleed wor e Lömpche.
Wo Spell wor,
war et jet mangs,
wer Angst hat, hat Kadangs.
Ne Knabbel wor et End vom Bruut,
on ene Kaffepot hat en Schnut.
Schlechte
Schnaps wor ne Fussel,
wer Jlöck hat, hat Dussel.
Wenn en Jeß Jonge kräch, hat se jeheck,
wenn sie dobei kapott jing wor se jefreck.
Kleen Jeeße wore Limche,
wer knatsche dät, der wor am simpche.
Ene
Einmannbetrieb wor ene Kraute,
ne fiese Möpp ene Schauter,
wer sich zänke dät, wor sich am öschele,
wer kritisiert dät nöschele.
Fehl enem et Heu
vom Wage, hatte jekalv,
wer ene an et Uhr kräg, kräg se jesalv,
en jedem Hus oß me Fustekieß,
on wenn me Krach hat, hat me Knieß.
Zottier war e su
jet ähnliches wie Visterenöll,
on wer besoffe wor, wor knöll.
En de Botz wor en Schlöv,
de ahle Krempel kom op de Löv.
En Walz wor e
Blauch,
de Pastur hat en Kauch.
Eine Schleife wor en Schlopp,
paß op sons kriste se jezopp.
Wenn me feel
jov et en Bül,
jot schmecke däten de Kruuskühl.
Wer net dooch, der wor zewersch,
dät de Krane dröppe kom dodröm jet Wersch.
En Flasch wor en
Puddel,
e dreckisch Frauminsch en Kuddel.
Zebasch ist so jet ähnliches wie zevell,
wer et ihlisch hat, hat de drell.
E kleen Stöck
Kooche wor e Striemche,
on ahl Äppel wore de Kiemsche,
wer nur dät no singem Senn,
wor ene eigensinnige Penn.
Dolle Quatsch
wor Stötz,
wer hastig dronk, der pötz,
ne jruße Hoofe wor ne Bärm
on Paraplü sät me für ene Schirm.
Jo su en Wöed,
ohne ze hetze,
lossen sich doch janet översetze.
De Deensmäd wor
de Busel,
wor se dreckig, wor et en Knusel,
dät se ne dore wor se e Jüffje,
wenn se dobei noch stonk wor se e Müffje,
wor se at verschrömpelt, wor se en Schreek
on total verkomme worse en Peek.
Wenn ene sujet
all weß wie ech,
es dat en Wissenschaft für sech.
Doch höck kann se keen mieh verstonn.
Die Sproch, on manches andere wierd verjonn.
Nu wünsche ich
üsch für die nächste Johre,
dat ihr zefredde set, wie die ahl Löck all wore.
Ärmot hat se zwar jelegge,
ävver se wore emmer zefredde.
Wer nett druß
liert, on läv in Hetz on Lärm,
on doch niemols zefredde ös, der ös ärm.
Ech han suvel mötjemaat in mingem Levve,
dat ech üsch jong Löck der Rot kann jevve:
Freut üsch emmer
wedder,
wer sech noch freue kann, der es zefredde.
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